
Sächsischer Fahrradpreis geht an Torgau
An jedem dritten Bahnhof in Sachsen fehlen sichere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. An weiteren 18% der Bahnhöfe sind die Möglichkeiten zum Parken von Fahrrädern äußerst mangelhaft. Dies zeigt eine Studie des ADFC, die heute vorgestellt wurde.
In der Untersuchung erfasste der ADFC die Qualität und Anzahl der Fahrradabstellanlagen aller 511 sächsischen Bahnhöfe und bewertete sie mit Schulnoten. Während über die Hälfte (52%) der Bahnhöfe in Sachsen den Test nicht bestanden, erreichten immerhin 22% eine gute oder sehr gute Bewertung. An diesen 115 Bahnhöfen kommt auf jeden zehnten einsteigenden Fahrgast mindestens eine überdachte und diebstahlsichere Abstellmöglichkeit. 173 Bahnhöfe in Sachsen haben dagegen gar keine Fahrradabstellanlagen.
„Gerade Bahnhöfe gelten als Hotspots des Fahrraddiebstahls, weil die Zahl der abgestellten Räder dort meist hoch ist und die soziale Kontrolle oft gering.“ sagt Dr. Janek Mücksch, der Vorsitzende des ADFC Sachsen e.V. „Es sind immer mehr E-Bikes und hochwertige Räder unterwegs. Pendler, die Rad und Bahn kombinieren, erwarten am Bahnhof sichere Abstellplätze, die vor Vandalismus und Diebstahl schützen.“ Damit sich mehr Menschen trauen ihr Rad am Bahnhof abzustellen, müssen die Bahnhöfe mit modernen Abstellanlagen ausgestattet sein.
„Diebstahlsichere Abstellanlagen machen das Pendeln mit der Bahn attraktiver und beleben den Bahnhofsvorplatz. Kommunen und Verkehrsverbünde sollten an den mangelhaften Bahnhöfen schnell nachbessern“ fordert ADFC-Vorsitzende.
Aber es gibt auch Lichtblicke: 17 Bahnhöfe in Sachsen wurden mit der Bestnote 1 bewertet. Vier von ihnen befinden sich im Landkreis Nordsachsen, drei im Erzgebirgskreis. Hier gibt es eine große Zahl an überdachten und diebstahlsicheren Abstellanlagen und außerdem auch verschließbare Fahrradboxen oder Sammelschließanlagen. Auch hat sich die Anzahl der diebstahlsicheren Stellplätze in Sachsen seit 2019 von 9.191 auf 11.014 erhöht. In dieser Zeit stieg allerdings auch das Fahrgastaufkommen in im sächsischen Regionalverkehr um 29%.
Besonders positiv bewerteten die Prüfer des ADFC den Bahnhof in Torgau. Hier stehen 256 hochwertige Abstellplätze für Fahrräder zur Verfügung, 64 davon in einem abgeschlossenen Fahrradparkhaus. Die Elbestadt erhielt für das besondere Engagement für sicheres Fahrradparken am Bahnhof heute vom ADFC den Sächsischen Fahrradpreis 2026. Mit dem Preis möchte der Fahrradclub besonders positive Beispiele der Förderung des Radfahrens in Sachsen würdigen.
„Torgau ist ein Musterbeispiel dafür, wie sicheres Fahrradparken an vielen sächsischen Bahnhöfen organisiert sein könnte. Pendler können hier auch hochwertige Fahrräder ohne ein mulmiges Gefühl tagsüber stehen lassen. Dass der Torgauer Bahnhof mit der Bestnote 1 bewertet wird, stand außer Frage. Für den ADFC Sachsen war daher schnell klar, dass sich Torgau durch sein großartiges Engagement den sächsischen Fahrradpreis verdient hat" gratuliert Dr. Janek Mücksch.
Hintergrund
Die Bike+Ride-Studie des ADFC Sachsen bewertete zum zweiten Mal seit 2019 sowohl die Qualität als auch die Quantität von Abstellanlagen an den 511 Bahnhöfen in Sachsen. Die Ergebnisse sind größtenteils ernüchternd: 173 Stationen verfügen über gar keine Abstellanlagen und bei 94 weiteren sind sie äußerst mangelhaft. Um eine gute Note zu erreichen, müssen die Fahrradparkplätze so gestaltet sein, dass man den Fahrradrahmen sowie Vorder- oder Hinterrad gut anschließen kann. Einfache Vorderradhalter reichen dafür nicht aus, denn sie sind nicht diebstahlsicher und können die Felge schädigen.
Der ADFC empfiehlt, dass auf jeden siebenten Fahrgast eine diebstahlsichere und überdachte Abstellanlage kommen sollte. Idealerweise sollte zudem bei größeren Bahnhöfen jeder 200. Fahrgast das Fahrrad in einer Fahrradbox, einem Parkhaus oder einer Sammelschließanlage unterbringen können. Solche Abstellmöglichkeiten senken die Hürde, mit dem Rad zum Bahnhof zu fahren weiter und erhöhen dadurch den Einzugsradius des Bahnhofs. Akuell erfüllen in Sachsen 17 Bahnhöfe dieses Kriterium.
Fast eine Million Sachsen pendeln täglich zur Arbeit, vor allem im ländlichen Raum, mehr als drei Viertel der Menschen in Städten unter 10.000 Einwohner pendelt jeden Tag in eine andere Stadt auf Arbeit. „Pendler stehen täglich vor der Wahl welches Verkehrsmittel sie nutzen. Für sehr viele ist die Kombination von Rad und Bahn die intelligenteste Lösung.“ sagt Dr. Janek Mücksch.
Zwischen den sächsischen Landkreisen existieren teils erhebliche Unterschiede. Während im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge die Abstellanlagen im Mittel nur Note 4,8 erreichten, erhielten die Bahnhöfe im Landkreis Leipzig die Durchschnittsnote 3,3. Hier verfügen 42% der Bahnhöfe über eine gute Ausstattung. Die sächsischen Großstädte schnitten in der Studie nicht gut ab. In Leipzig verfügen 43% der Stationen über keine oder mangelhafte Abstellanlagen. In Chemnitz sind 62% durchgefallen und in Dresden sogar 77%.
Bahnhöfe mit der Bestnote 1:
Annaberg-Buchholz unt Bf Bautzen Beilrode Burgstädt Delitzsch unt Bf Dittersdorf Leipzig-Knauthain Leipzig-Lützschena Meinersdorf (Erzgeb) Neukieritzsch Neusörnewitz Oberlichtenau Oschatz Ottendorf (b Mittweida) Pegau Rietschen Torgau